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STALICLA & its CEO, Lynn Durham in Handelszeitung about changing drug development for Autism

Die Gamechangerin

Stalicla Lynn Durham steht mit ihrem Genfer Startup vor dem Abschluss einer Finanzierungsrunde über 15 bis 20 Millionen Dollar. Ihr Plan: Autismus neu denken.

SERAINA GROSS

Sie ist zwar erst 36; ihr Lebenslauf aber zählt mehr Stationen als manch eines Fünfzigjährigen: Lynn Durham, in North Carolina geboren und heute in Genf lebend, hat nicht nur zwei akademische Abschlüsse in der Tasche – einen Master in Politikwissenschaften und Wirtschaftsgeschichte und einen in Kommunikationswissenschaften. Sie hat auch fünf Jahre an der medizinischen Fakultät in Genf studiert, ein Nachdiplomstudium in Erforschung und Entwicklung von Medikamenten mit Schwerpunkt Pharmakologie absolviert und sich am WEF in Cologny und in einem führenden VC Unternehmen beruflich die Sporen abverdient.

Die Ziele hochstecken und Tempo machen, das ist die Devise – auch bei Stalicla, dem Biotech-Startup, das Lynn Durham vor eineinhalb Jahren gegründet hat. Die Biotech-Quereinsteigerin hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als die Therapie von Autismus zu revolutionieren – einer Krankheit notabene, an der sich Big Pharma seit Jahrzehnten die Zähne ausbeisst.

Den einen Autismus gibt es nicht

Stalicla – den sperrigen Namen wird man sich womöglich merken müssen. Ziel des noch jungen Startups ist es, den Kampf gegen die Krankheit über den Umweg der medizinischen Begleiterkrankungen aufzunehmen, unter denen viele Autismus-Kranke leiden. Autismus sei keine psychiatrische Erkrankung, sagt Lynn Durham, obwohl sie noch immer als solche betrachtet werde. «Autismus ist die Bezeichnung für ein breit gefächertes Spektrum neurologischer Störungen.»

Ziel sei es, das Prinzip der personalisierten Medizin mithilfe computergestützter Systembiologie auf die Autismuserkrankung anzuwenden, sagt Lynn Durham – also Untergruppen von Patienten zu bilden, von denen man annehmen könne, dass sie auf bestimmte, für andere Indikationen bereits zugelassene Wirkstoffe ansprächen. Vorbild ist die Onkologie, wo die personalisierte Medizin am weitesten fortgeschritten ist. Die Pharmaindustrie sei in der Vergangenheit immer davon ausgegangen, dass es den einen Autismus gebe, doch das stimme nicht. «Es gibt mehrere Autismen», sagt Lynn Durham.

Unterstützt wird die junge CEO bei ihrem Vorhaben von ehemaligem Spitzenpersonal aus der Forschung von Roche und Novartis. Zudem ist es ihr gelungen, führende universitäre Autismusforscher und Neurowissenschafter mit ins Boot zu holen.

Eine Frau auf der Überholspur: Der Eindruck bestätigt sich bei einem Treffen mit der Stalicla-Gründerin und -Chefin im spätsommerlichen Basel auf der Terrasse eines Hotels am Bahnhof. Während ein paar Meter weiter die Trams um die Kurve quietschen und die Stadt in den Feierabend hetzt, zitiert sie Studiendaten und referiert über das unterschiedliche Vorkommen von Autismus in den USA und Europa.

«Autismus ist überwiegend eine genetisch bedingte Krankheit», bis heute seien mehr als tausend Gene mit Autismus assoziiert worden, sagt sie. Trotzdem werde die Krankheit noch immer mithilfe eines psychiatrischen Rasters von Verhaltensweisen diagnostiziert. «Die Sicht auf Autismus ist noch immer die gleiche wie im 19. Jahrhundert», sagt Lynn Durham.

Autismus ganz neu denken – das ist ihr Motto. Zu Hilfe kommt ihr dabei ihre lebenslange Beschäftigung mit Autismus. «Das Thema begleitet mich, seit ich denken kann», sagt Lynn Durham. «Ich hatte immer viel mit Autismuskranken zu tun. Das macht es einfacher, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und Dinge von einer ganz anderen Seite her anzupacken.»

Marktreife 2025, wenn alles klappt

Stalicla wird, wenn alles rund läuft, Anfang 2020 mit einem ersten Therapiepaket in die späte, erste klinische Phase gehen; mit einer Marktlancierung ist frühestens Ende 2025 oder Anfang 2026 zu rechnen. Finanziell sieht es gut aus. Eine Finanzierungsrunde über 15 bis 20 Millionen Dollar soll bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Das Geld werde aus der Schweiz und den USA kommen, sagt Lynn Durham. Das Unternehmen arbeite mit Investoren zusammen, die einen Horizont von mindestens fünf Jahren hätten.

Klar ist: Autismus ist das, was man im Branchenslogan «high unmet medical need» nennt; eine Krankheit, die zwar sehr verbreitet ist, für die es aber keine wirksame Therapie gibt. Die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention rechnet mit je zehn Millionen Autismuskranken in Europa und in den USA, die volkswirtschaftlichen Kosten dürften in die Milliarden gehen. Autismuskranke werden zwar mit Psychopharmaka behandelt, doch damit bekämpft man nicht die hauptsächlichen Symptome von Autismus, sondern lediglich die mit der Krankheit verbundene Reizbarkeit.

Mit anderen Worten: Wer hier den Durchbruch schafft und das Spiel drehen kann, dem winken Milliardenumsätze.

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